Sonntag, 2. November 2008

Kleiner (unnötiger) Nachtrag zu David Copperfield

Wir sind mit noch mehr Copperfield zurückgekommen als vermutet. Nicht nur um 1-2 VHS-Cassetten und ein Buchexemplar reicher! Nein. Es gibt ungeahnterweise noch mehr. Ich erkläre. Dank Kid M. bin ich seit der Buchmesse im Besitz des Buches "Pferde stehlen" von Per Petterson. Hab es auch schon zu Ende (vor)gelesen, Mr. Jane Doe hat es vielleicht auch schon zu Ende gehört - und ich weiß auch nicht, Buch hat anfänglich mehr versprochen, als es am Ende gehalten hat. Vielleicht habe ich es aber auch einfach nur nicht verstanden. Muss aber auch nicht sein. Denn um das Buch geht es grade gar nicht, sondern allein um die Tatsache, dass der Protagonist des Buches äußerst dickensaffin ist... und das wollte ich euch nicht vorenthalten! Dickens ist überall.
"Ob ich als Hauptperson meines eigenen Lebens hervortreten werde oder ob sonst jemand diesen Rang einnehmen wird, müssen diese Seiten erst erweisen."
Sie lächelte erneut. "Ich fand diesen Anfang immer etwas unheimlich, weil er die Möglichkeit ansprach, dass wir nicht zwangsläufig die Hauptperson in unserem eigenen Leben sein müssen. Ich begriff nicht, wie das möglich war, so etwas Schreckliches: eine Art Geisterleben, in dem ich nur zusehen konnte, wie jemand meinen Platz einnahm, und in dem ich dies Person vielleicht aus ganzem Herzen hassen und beneiden konnte, aber nichts gegen sie unternehmen, weil ich zu irgendeinem Zeitpunkt aus meinem Leben herausgefallen war [...].
Es fällt mir nicht leicht, etwas dazu zu sagen. Ich wusste nicht, dass sie solche Gedanken hatte. [...] Sie hatte keine Ahnung, wie oft auch ich genaud das gleiche gedacht, wie oft ich die ersten Zeiulen in David Copperfield gelesen habe und dann weiterlesen musste, Seite um Seite, fast starr vor Schreck, weil ich sehen musste, wie alles zuletzt auf seinen Platz fiel, und dem war ja auch so, aber es dauerte immer lange, bis ich mich sicher fühlte. Im Buch. (S. 204f.)
Vielleicht war das Fehlen dieser Zeilen das Knock-out-Kriterium? Mit ihnen, hätten wir vielleicht auch weiterlesen müssen. Seite um Seite. Vielleicht?! Wobei - mit Abstand betrachtet, glaube ich es eher nicht. Das Gesamtkonzept ließ zu wünschen übrig.
Aber nu genug von Dickens. Wieder zurück zu Yalom & Nietzsche. Zum Glück wieder ein Lesevergnügen.

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