Sonntag, 7. Dezember 2008

Fremdgelesen - "Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch" - von Marina Lewycka

"Das Debüt dieser fast 60-jährigen britischen Autorin, Marina Lewycka, ist ein Bravourstück!" Denis Scheck in Druckfrisch

"Zwei Jahre nach dem Tod meiner Mutter verliebte sich mein Vater in eine berückende blonde geschiedene Frau aus der Ukraine. Er war 84, sie 36. Wie eine flauschige rosa Granate schoss sie in unser Leben, wirbelte trübes Wasser auf, brachte den ganzen Morast längst versunkener Erinnerungen wieder an die Oberfläche und trat unseren Familiengespenstern kräftig in den Hintern."

Marina Lewycka erzählt diese Geschichte aus Sicht der Sozialwissenschaftlerin und Emigrantentochter Nadia, die sich durch dieses Ereignis genötigt sieht ihre Schwester Vera, die Pelzmantelträgerin, nach langer Zeit der Unstimmigkeiten anzurufen und das Ende der Ehe des Vaters zu planen, welche in der Tat keinen glücklichen Verlauf nimmt. Es wird eine Zeit, in der Nadia viele Vergleiche anstellen muss: Zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter, dem egoistischen Träumer und der pflichtbewussten Realistin, zwischen der Situation von Emigranten nach dem Krieg und nach der Wende in Osteuropa und vor allem zwischen ihrer Schwester und sich selbst, dem Kriegskind und dem Friedenskind, deren Ansichten über die Welt so unterschiedlich sind, dass sie unmöglich vom gleichen Planeten sprechen können. Und nebenbei wird eine kurze Geschichte des Traktors erzählt und es ist erstaunlich, wie sich die Geschichte des letzten Jahrhunderts in der Entwicklung eines landwirtschaftlichen Gerätes spiegelt. Und nebenbei wird eine kurze Geschichte der Ukraine erzählt, einem Land, das unter seinen großen kriegerischen Nachbarn zu leiden hatte und nach einer eigenen Identität sucht. Das alles in einem klugen, bissigen, witzigen Roman.

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