Samstag, 18. April 2009

Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón

Zu diesem Buch kann man nur eines sagen: lesenswert. 
Zum Inhalt:
Der zehnjährige Daniel Sempere lebt allein mit seinem Vater, der ein Antiquariat führt, im Barcelona der Franco-Ära. Misstrauen und Angst rieseln aus Mauerritzen der Armenviertel und von Palastdächern, sie hüllen die Stadt in ein aschgraues Gewand, das nach Blut und Bürgerkrieg riecht. Daniel wird von seinem Vater zu einem alten, nur wenigen bekannten Ort geführt, dem so genannten "Friedhof der Vergessenen Bücher", eine gigantische Bibliothek mit Raritäten und Trivialitäten. Er soll sich ein Buch aus diesem Meer an Literatur herausfischen und dafür sorgen, dass es nicht in Vergessenheit gerät. Er greift nach einem roten Einband mit dem Titel "Der Schatten des Windes". Weder von dem Titel, noch von dem Autor, Julián Carax,  hat er bisher etwas gehört. Er verschlingt das Buch über Nacht und will mehr von diesem Autor lesen. Er beginnt sich umzuhören, stößt auf Ungereimtheiten, Geheimnisse und Hindernisse, korrupte Polizisten und Kriegsverbrechen. Je mehr er erfährt, umso mehr zieht das Leben des Autors ihn in seinen Bann, und auf seltsame Art und Weise beginnt sich ihr Schicksal zu überschneiden. Figuren aus dem Buch tauchen im realen Barcelona auf, Menschen im Kreise der Geschichte kommen unter ungeklärten Umständen ums Leben und bald merkt Daniel, dass aus der harmlosen Suche nach einem Autor eine Jagd auf Leben und Tod geworden ist....

Zafón schreibt anschaulich, dass man manchmal das Gefühl hat, man würde Gemälde oder Momentaufnahmen betrachten, in denen man jeden Zug, jede Gefühlsregung der Person im Gesicht ablesen kann. Neben den greifbaren Charakteren existiert noch ein weiterer Protagonist: die Stadt Barcelona. Die Stadt warnt, bestraft, schützt und zeigt uns ihr Gesicht, erzählt von ihren Wunden und Narben der Jahre. Man kann sich ihr nicht entziehen und möchte am liebsten sofort die Wege abschreiten, die als Schauplatz dienen.

Hier eine kleine Auswahl an Zitaten, die mir besonders amüsant bis bemerkenswert erschienen:
TV:
"Das Fernsehen, mein lieber Daniel, ist der Antichrist, und ich sage Ihnen, es werden drei oder vier Generationen genügen, bis die Leute nicht einmal mehr selbstständig furzen können und der Mensch in die Hölle, in die mittelalterliche Barbarei und in einem Schwachsinn zurückfällt, den schon die Nacktschnecke im Pleistozän überwunden hat. Diese Welt wird nicht von der Atombombe zerstört werden, sondern sie wird sich totlachen, wird an Banalität zugrunde gehen, weil sie aus allem einen Witz macht, einen schlechten noch dazu." 
Fermín Romero de Torres S. 13of

Klatsch&Tratsch:
" Die Leute wetzen den Schnabel nach Herzenslust. Der Mensch stammt nicht vom Affen ab, sondern vom Huhn." S.153
zum Thema" Plus de beurre!!!!"  :-)
(Julian war sehr begabt in Musik, Malerei und Kunst überhaupt, was sein Vater Antoni Fortuny, der Hutmacher, als geisteskrank empfand, da es nichts einbringt..)

"In jener Zeit glaubte Antoni Fortuny noch, die Geistesschwäche des Jungen sei zum Teil auf seine Kost zurückzuführen, die zu sehr von den Gebräuchen der französischen Küche seiner Mutter bestimmt war. Bekanntlich zog ein Übermaß an Butter den moralischen Ruin und die Betäubung des Verstandes nach sich. Er verbot Sophie auf immer und ewig, mit Butter zu kochen. Das Ergebnis war nicht unbedingt das erhoffte."

Schicksal:
"Passen Sie auf. Das Schicksal lauert immer gleich um die Ecke - wie ein Dieb, eine Nutte oder ein Losverkäufer, seine drei trivialsten Verkörperungen. Hausbesuche macht es hingegen keine. Man muss sich schon zu ihm bemühen."
Fermín Romero de Torres, S.270

"Julían hatte einmal geschrieben, Zufälle seien die Narben des Schicksals." S. 510

"Warten ist Rost für die Seele." S.368

Job:
"Das schwierige ist nicht, einfach so Geld zu verdienen," klagte er. "Das schwierige ist, es mit etwas zu verdienen, was es wert ist, daß man ihm sein Leben widmet." S.434


1 Kommentare:

Nerd in Skirt hat gesagt…

Wunderbare Zitate! Und so wahr...

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